Dies ist ein kurzer,
eher stichpunktartig aufgelisteter Bericht über mein Lesejahr 2019.
Als erstes vorab: ich habe dieses Jahr laut meinem Goodreads-Account
36 Bücher gelesen, und somit ist dies hier mein bisheriges
Rekordjahr. Im Durchschnitt bedeutet das also 3 Bücher per Monat,
was für mich schon eine richtig große Menge ist. Nun möchte ich
erstmals gucken, wie viel und welche Bücher ich per Monat gelesen
habe und aus jedem Monat des vergangenen Jahres einige Worte zu einem
Werk sagen:
- Januar: Ich hatte
für dieses Jahr mir vorgenommen vor allem Klassiker zu lesen. Ich
hatte sogar mir eine Liste von den ganzen Werken erstellt, die ich
auf jeden Fall dieses Jahr noch lesen möchte, und das erste Buch,
was ich dieses Jahr gelesen habe ist von dieser Liste, und zwar Jane
Eyre von Charlotte Brontë.
Ich war (und bin immer
noch) sehr begeistert von
diesem Buch. Ich war auch positiv überrascht, wie unkompliziert das
Buch sich gelesen hat und wie sehr ich mich in die Geschichte und die
Protagonistin einfühlen konnte. Meine Begeisterung hat ein
klitzekleines
bisschen nachgelassen seit dem ich auch einige andere ältere und
auch moderne Klassiker dieses Jahr gelesen habe, denn im Nachhinein
lässt mich der viktorianische Moralismus etwas kalt, der bei
Charlotte Brontë
präsent ist. Ansonsten habe ich im Januar noch Jonathan Hawthrones
Der Scharlachrote Buchstabe und Tahir Shahs The Caliph‘s House
gelesen. Ich konnte mich aus irgendeinem Grund nicht auf Hawthrone‘s
amerikanischen Klassiker konzentrieren. Tahir Shah‘s Buch fand ich
wiederum eine fabelhafte, bezaubernde und interessante Mischung aus
Memoir und Geschichtensammlung aus der arabischen und marokkanischen
Tradition.
-
Februar: Im Februar habe
ich 4 tolle Bücher gelesen. Leider konnte ich mich irgendwie nicht
auf Nella Larsens Passing einlassen, obwohl das ein wirklich
interessanter Klassiker ist, der leider nicht den Ruhm genießt, den
es verdient hätte. Diesem Buch muss ich unbedingt eine zweite Chance
geben. Meine zwei Highlights vom Februar sind auf jeden Fall James
Baldwins moderner Klassiker Giovannis Room und Stuart Jeffries
lebhaft und sachlich reich geschriebenes Sachbuch über die
Frankfurter Schule „The Grand Hotel Abyss“. Mit Daniela Dröschers
Neuerscheinung Zeige Deine Klasse konnte ich mich vielleicht am aller
besten von allem was ich je bis dahin gelesen habe identifizieren,
aber um ganz ehrlich zu sein, würde ich das Buch nicht nochmal
lesen. Jetzt würde ich sagen, dass es ganz okay ist.
-
März: Im März habe ich eigentlich nur Wild von Sheryl Strayed
gelesen. Eine mitreisende Leseerfahrung!
-
Im April habe ich eigentlich nur für die Uni gelesen.
-
Mai: Mein Highlight des Jahres ist natürlich Anna Karenina von Lew
Tolstoi,
das ich im Mai zu Ende gelesen habe. Darüber muss ich mal einen
eigene Eintrag schreiben. Ansonsten habe ich im Mai vier weitere
Bücher gelesen, von denen vor allem Franny und Zooey von
J.D.Salinger erwähnenswert ist. Someday, Someday, Maybe von Lauren
Graham war natürlich
auch toll und unterhaltsam für einen Gilmore Girls-Fan.
-
Juni: Atemschaukel von Herta Müller ist mit seiner poetische Sprache
genau das: eine Atemschaukel. Gleichzeitig reist es dein Herz aus der
Brust und pflanzt es wieder ein, aber es bleibt ein fremdes Herz. Ein
Meisterwerk. Das Goldene Notizbuch von Doris Lessing hat viele wunde
Punkte in mir immer wieder getroffen, weshalb ich es in den
vergangenen Jahren immer wieder aufgeben musste. Im Juni habe ich es
endlich geschafft zu Ende zu lesen, und bin zwar beeindruckt von den
kräftigen und komplizierten Geschichten, war aber gleichzeitig
verbittert von dem Buch, und na ja, vom Patriarchat halt.
-
Juli: Im Juli habe ich zwei mittelmäßige Bücher gelesen: In
Arabian Nights von Tahir Shah und Murder at the Vicarage (den ersten
Teil der Miss Marple- Serie) von Agatha Christie. Für Agatha
Christie war ich vielleicht einfach nicht in der Stimmung im Juli und
In Arabian Nights war einfach häufig etwas zu kitschig für meinen
Geschmack.
-
August: Kaltblütig von
Truman Capote, ich wollte es mögen, aber am Ende fand ich es etwas
langweilig.
-
September: Strangers In Their Own Land ist eine tolle ethnographische
Studie von der Emotionssoziologin Arlie Hochschild über die Tea
Party-Anhänger*innen in den Südstaaten der USA. Die anderen Bücher
im September waren ganz okay.
-
Oktober: Der Goldene Kompass von Philip Pullman war eine
Nostalgiereise in meine Kindheit. Damals hat mir die Trilogie richtig
gut gefallen, jetzt war es auch noch gut, aber nichts
Atemberaubendes. Do Androids Dream of Electric Sheep von Philip K.
Dick war das erste Buch in meinem neuen Lesekreis für Belletristik.
Interessant und hatte viel Potential, aber am Ende hat mich die zum
Teil beabsichtigte und zum Teil unbeabsichtigte Misogynie des Buches
und des Autors der Maßen gestört, dass ich dem Buch nur drei von
fünf Sternen gegeben habe.
-
November: The Haunting of Hillhouse von Shirley Jackson war einfach
toll. Der schlichte Schreibstil entspricht genau meinem Geschmack,
ich fand die Hauptfigur sehr interessant, die Geschichte hat mir auch
kalte Schauer über den Rücken laufen lassen und jetzt möchte ich
auf jeden Fall mehr von Shirley Jackson lesen. Ansonsten fand ich
Rakkaudenhirviö von Saara Turunen sehr gut, und Schwarze Haut, Weiße
Masken von Frantz Fanon spannend. Leibhaftig
von Christa Wolf war beeindruckend, aber etwas zu aufwendig für die
stressige Phase, die ich gerade zu dem Zeitpunkt in der Arbeit hatte.
Die Geheime Geschichte von Donna Tartt war das schlechteste Buch für
mich dieses Jahr, ich fand so vieles einfach schlecht gemacht an dem
Buch, dass ich die letzen 100 Seiten nur noch überflogen habe.
-
Dezember: Tove Jansson
ist auf jeden Fall eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen, das hat
sich im Dezember mit dem Moomin-Buch Näkymätön Lapsi ja Muita
Kertomuksia sowie dem Kesäkirja bestätigt. Ich liebe ihren
schlichten aber dennoch so tiefgreifenden Stil und die Art wie sie
das Spezielle im Banalen erkennen kann. Außer Tove Jansson habe ich
diesen Monat auch Putoaminen (der Fall) von Albert Camus in einem
Rutsch im Flugzeugen gelesen. Ich fand das Buch zwar interessant und
vor allem der Monologstil hat mir gefallen, aber ich mag es nicht,
wenn der Autor seinen Punkt am Ende nochmal übertrieben klar machen
will. Ich finde das paternalistisch von dem Autor. La Belle Sauvage
von Philip Pullman war ganz okay, aber etwas overhyped.
Für
nächstes Jahr setze ich mir nur folgendes Ziel: keine neuen Bücher
mehr kaufen, sondern meine unzähligen eigenen ungelesenen Bücher
lesen. Und dazu die Stadtbücherei noch mehr benutzen.
Meine
Liebelingsautor*innen aus diesem Jahr sind Shirley Jackson und Tove
Jansson. Ich hoffe im kommenden Jahr von denen, sowie von Lew Tolstoi
noch weitere Werke zu lesen. Zudem möchte ich mich
der Bücherserie über
Russland und der
russischen Geschichte seit der Oktoberrevolution von
Swetlana Alexeijovich im
kommenden Jahr widmen.

